Rezension: «Autogene Psychotherapie»
Brigitte Bischof, Jadranka Dieter, Renate Chiba
facultas-Verlag, Praxis Psychotherapie Band8
In einem kleinen Band, das dieses Jahr erschienen ist, stellen drei prominente ATP-Therapeutinnen aus Österreich eine in der Schweiz kaum bekannte aber höchst interessamte Psychotherapiemethode vor, die insbesondere auch Hypnosetherapeuten interessieren dürfte.
«Autogen» erinnert natürlich an den Begriff «Autogenes Training» und weckt vor allem Assoziationen von einfacher Entspannungsmethode und Stressabbau. Doch schon sein Begründer J.H. Schultz entwickelte es als viel tiefgreifendere, übende Form von Psychotherapie. Es stellte die erste systematisierte Form von Selbsthypnosetherapie dar. Später wurde es in Österreich, insbesondere durch Heinrich Wallnöfer, zu einer breit abgestützten, tiefenpsychologisch orientierten Psychotherapie ausgebaut, die als «Autogene Psychotherapie» (ATP) bekannt wurde.
Die ATP fusst im Wesentlichen auf den Konzepten des «Autogenen Prinzips» und der «Bionomie». Beide Begriffe zusammengenommen bedeuten, dass in der Therapie alle körperlichen und seelischen Erscheinungen lediglich beobachtet und gefördert werden, insofern sie von alleine (autogen) entstehen, und sie als Ausdruck der Eigengesetzlichkeiten des Lebens (Bionomie) des Individuums betrachtet werden. Von Seiten des Therapeuten wird nichts suggeriert oder gelenkt. Ob es um Widerstände beim Üben, um Eigenheiten bei den Grundübungen (Schwere, Wärme usw.) oder um Bilder der Oberstufe geht, es wird also nicht mit dem Ziel geübt, «bis man es kann», sondern alles wird tiefenpsychologisch hinterfragt und reflektiert. Auf diese Weise gelangt man über aktuelle Körpererlebnisse und Bilder in kleinen Schritten zu frühkindlichen, aber auch auf spätere, prägende Erfahrungen, die dann auf (autogen und bionom) dosierte Weise bearbeitet werden können.
Dabei erlaubt – wie in der Hypnosetherapie – der veränderte Bewusstseinszustand einen freieren Zugang zum Unbewussten und ermöglicht, im Erleben zu bleiben und sich nicht in Interpretationen und Argumentationen zu verlieren. Neben dieser Gemeinsamkeit mit der Hypnosetherapie, fallen zwei bedeutende Unterschiede auf: das übende Element und die schematische Struktur. Die Struktur der Übungen, wie wir sie vom Autogenen Training kennen, dienen als Ausgangspunkt und nicht als Ziel. Daneben soll der Patient regelmässig seine explorierenden Übungen im Alltag durchführen, was von ihm von vornherein klar Eigenverantwortung verlangt und diese gleichzeitig fördert.
Das etwa 200-seitige, sehr lesenswerte Büchlein bietet im ersten Teil einen breiten Überblick über tiefenpsychologische Konzepte, die das Vorgehen der ATP untermauern. Danach wird die eigentliche Arbeit mit ATP ausführlich vorgestellt und mit sehr anschaulichen Beispielen illustriert.
J. Philip Zindel


